Hallo, liebe Leser! Wer mithilfe einer Website etwas verkaufen oder über ein Thema informieren will, möchte unter Umständen mit seiner Botschaft nicht nur Menschen in seinem eigenen Land ansprechen. Tatsächlich ist es technisch überhaupt kein Problem, mit dem Internet Menschen in aller Welt zu erreichen. Allerdings geht es nicht nur darum, dass Menschen in anderen Ländern eine Website ansehen können, sie müssen die Inhalte auch verstehen – und sie sollen sie darüber hinaus auch ansprechen. Zu aller erst jedoch muss die Website erst einmal gefunden werden. Daher dreht sich der Aufbau internationaler Websites um drei Punkte:
- Sprache
- Kultureller Hintergrund und Geschmack
- Sichtbarkeit für Suchmaschinen
Die Sprache
Heute ist man leicht geneigt, davon auszugehen, dass die Netzbürger in aller Welt Englisch verstehen. Das ist zwar bei einem großen Teil der Fall, aber es gibt jedoch viele die kein, oder nicht genug Englisch können, um die Beschreibung erklärungsbedürftiger Produkten oder anderer komplizierter Sachverhalte in dieser Sprache verstehen zu können. Darüber hinaus haben es die Leute in aller Welt am liebsten, wenn sie Informationen in ihrer eigenen Sprache präsentiert bekommen. Dann sind sie am einfachsten aufzunehmen und eine der wichtigsten Regeln für Verkäufer besagt, dass man es seinen Kunden vom ersten Kontakt zum Produkt bis zur Kaufentscheidung so leicht wie möglich machen muss. Das gilt nicht nur Waren, die man verkaufen, sondern auch für Ideen, die man vermitteln möchte.
Ein englische Version der Website kann daher zwar ein wichtiger erster, aber eben nur ein erster Schritt zur internationalen Webpräsenz sein, dem weitere – nämlich Websites in anderen Sprachen und gegebenenfalls sogar für einzelne Länder bzw. Kulturkreise – folgen müssen. Bereits hier sollte man nicht am falschen Ende sparen und jemand, der die jeweilige Sprache wirklich gut kennt, mit der Übersetzung beauftragen: Am besten einen Muttersprachler, der auch die jeweiligen aktuellen sprachlichen Besonderheiten – etwa Modewörter und angesagte Redewendungen – kennt.
Andere Länder, andere Sprech-, Seh- und Surfgewohnheiten
Für europäische und (anglo-)amerikanische Länder wird man am ehesten noch das Layout und Design der ursprünglichen deutschen Version einer Website verwenden können. Auch Metaphern, Symbole und Sympathieträger gelten zu einem großen Teil für die ganze westliche Welt. Auch das Seitenlayout und das Design, das man ursprünglich für das deutschsprachige Original entworfen hat, kann man hier meist weiterverwenden.
Schwieriger wird es, wenn man Menschen in anderen Kulturkreisen ansprechen möchte: Die arabische Schrift etwa wird von rechts nach links gelesen, chinesische Schriftzeichen von oben nach unten. Das wirkt sich nicht nur auf das Layout von Texten aus, sondern auch auf die grafische Gestaltung: Die bekannte Regel etwa, dass Menschen beim Betrachten eines Bildes links oben beginnen und rechts unten aufhören, ergibt sich aus unseren Lesegewohnheiten. Für Menschen, die andere Schriften verwenden, kann sie daher nicht gelten.
Der Umstand, dass europäische Sprachen Low-Context-Sprachen sind, bei denen der größte Teil der Informationen in den Worten und Sätzen steckt, erleichtert es, Informationen statt in gesprochener auch in geschriebener Sprache zu vermitteln. Asiatische Sprachen wie Chinesisch sind High-Context-Sprachen, bei denen Dinge wie Betonung, Gesichtsausdruck und Körpersprache den Sinn eines Satzes vollkommen verändern können. Das bedeutet, dass bei solchen Sprachen anderen Kanälen, zum Beispiel den Illustrationen eine weit größere Bedeutung zukommen, was natürlich beim Design berücksichtigt werden muss.
Überhaupt bevorzugen Surfer im asiatischen Raum ganz andere Designs als die im Westen üblichen. Quietschbunte, übertrieben dynamische Websites, bei denen manche Inhalte erst erscheinen, wenn man Links mit dem Mauszeiger berührt sowie ständig aufgehende Popups und zusätzliche Fenster würden westlichen Netznutzer als kitschig, nervig oder gar idiotisch erscheinen. Asiaten finden so etwas hingegen schön.
Tabus und Missverständnisse
Gesten, Symbole und Metaphern können in anderen Kulturkreisen nicht oder missverstanden werden. Ein hochgereckter Daumen etwa, bei uns als Lob gemeint, ist in manchen Ländern eine obszöne Geste. Erotik wird in Europa nach dem Motto „Sex sells“ bis zu einem gewissen Maß akzeptiert, ist jedoch in moslemischen Ländern ein absolutes Tabu und kommt auch in bestimmten Gegenden der USA überhaupt nicht an. Auch aus diesem Grund sollte man zum Gestalten internationaler Websites Leute hinzuziehen, die nicht nur die Sprache, sondern auch die Kultur der jeweiligen Zielländer sehr gut kennen.
Suchmaschinen und Domains
Wenn man schon den Aufwand auf einzelne Länder bzw. Kulturkreise optimierter Websites betreibt, sollte man auf jeden Fall dafür sorgen, dass jede Länderseite über eine eigene Domain mit passender Top Level Domain zu erreichen ist. Das ist wichtig, denn Suchmaschinen bevorzugen gerne Seiten mit Domains aus dem jeweiligen Land, in dem gesucht wird. Das Suchwort „Bier“ , gibt man es bei google.de, google.ch und google.at ein, liefert beispielsweise jedes Mal vor allem Links zu Websites von Brauereien aus dem jeweiligen Land.
Während Google für Europa mit einem Marktanteil von über 90% das Maß aller SEO-Dinge ist, sind in anderen Ländern oft andere Suchmaschinen ebenfalls relevant. In den USA etwa erhält er nur die Hälfte aller Suchanfragen. Daher sollte man immer auch eruieren, welche Suchmaschinen im jeweiligen Land bevorzugt werden und die Seiten auf sie optimieren.
Über den Autor: Christian Arno ist der Gründer von Lingo24, einem Übersetzungsunternehmen, das sich auf Website-Übersetzung spezialisiert. Folge Lingo24 auf Twitter @l24de.








Fast alle bekannten Marken haben mehrsprachige Webseiten, um länderspezifische Kunden anzusprechen. Die Präsenz von solchen mehrsprachigen Angeboten ist für mich oft ein Hinweis auf die Seriösität der Marke. Siehe Chanel, LV oder Hermes, alle haben mehrsprachige Seiten.
Sehr interessanter Artikel. Bisher war es für mich noch kein Thema, aber man weis ja nie was die Zukunft noch bringt. Wenn man nicht direkt auf einen Markt abzielt, bei dem eine bestimmte Sprache gesprochen wird, dann wäre vielleicht auch ein Übersetungstool eine schnelle und günstige Alternative.
Also von Übersetzungstools kann ich nur abraten, habe bisher keines gesehen das einigermaßen gut funktioniert für “exotischere” Sprachen. Habe gerade heute etwas vom Deutschen ins slowakische übersetzt und die Dame der ich den Text überreicht habe hat sich nur kaputt gelacht.
Je größer das Unternehmen desto eher sind mehrsprachige Websites notwendig.
Interessanter Artikel. Bislang habe ich nur auf die technische Umsetzung geschaut. Zum Beispiel auf passende multilinguale WordPress Plugins. Dass man für jedes land aber individuell Schreiben sollte, wusste ich noch nicht. Danke!
Hallo Christian,
gratulation zu deinem sehr schönen Artikel. Meiner Meinung nach ist dieses Thema für alle größeren Seiten zur Pflicht geworden. Diese Pflicht wird dann durch stärkeren Absatz belohnt. Zudem steigt die Wirkung, dass ein Unternehmen seriöser wirkt (wie Inge schon sagte).
Da bin ich richtig froh, dass meine Seiten nur auf die deutsche Sprache abzielen. Hat man wirklich ein so großes Projekt, dass man mehrere Sprachen benötigt, ist das ein essentielles Thema, das sicher nicht mit “ich übersetzt mal rasch alles in Englisch” getan ist. Da wird man sich wohl einen Profi leisten müssen, der sowohl Sprache als auch Kultur versteht.
Ich bin auch froh nur eine Sprache anbieten zu müssen, Für eine wirklich gute Übersetzung braucht man wie schon oben geschrieben mMn eine Fachkraft.
lg
Für mehrsprachige Webseiten, würde ich CMS Made Simple als CMS empfehlen. Die Umsetzung der Mehrsprachigkeit ist sehr gelungen und kann einfach implementiert werden. Natürlich können auch verschiedene Stylesheets für unterschiedliche Sprachen eingebunden werden, so dass das Layout auch länderspezifisch variiert werden kann.
Ich finde es auch echt seriös und toll wenn international bekannte Marken (und natürlich auch die, die es werden wollen) ihre Webseite mehrsprachig anbieten.
Ansonsten stimme ich dem Argument zu, dass User Content in ihrer eigenen Sprache möchten. Besonders oft sehe ich im Internet Privatblogs, die auf Englisch geschrieben sind. Da stelle ich oftmals (als Bilinguale) fest, dass das Englisch auf den meisten solcher Blogs eben nur Zweitsprachen-Englisch ist. Das könnte den ein oder anderen (internationalen) User halt schon mal abschrecken. Deswegen denke ich, man sollte immer bei seiner Muttersprache bleiben oder bei statischem Content auf Übersetzungsagenturen bzw. Muttersprachler zurück greifen. Nur so kann eben auch vollkommene grammatische Richtigkeit gewährleistet werden.
Klasse Artikel. Merkur Webdesign bietet auch Webseiten auf Englisch und Spanisch an.